Westfälische Nachrichten 18.10.07
Verdummungsstrategien werden laut Heinz G. in Kölner Werbeagenturen ausgeheckt. Hier der Juniorchef bei der Arbeit.
Heinz G. (man lese: „Heinz G Punkt“) aus K. leidet nicht an Realitätsverlust: „Ich genieße ihn.“ Damit ist der Mann nur selten allein. Die Stühle im Studio in der Brücke waren am Samstagabend voll besetzt. Von 14 bis etwa 74 reichte das Alter im Publikum.
Und alle hatten erkennbar Spaß: Heinz ist einer für alle, vom Teenie bis zum Opa. Dabei meint der „Poet im Prolet“, es seien ja vor allem die Frauen, die ihn sehen wollten, besonders wegen seines erotisch-tänzerischen, immer wiederkehrenden Ganges zur Gitarre, mit der er Lieder wie „Im - Om“, „Amo - Oma ist andersrum“, „Herrmann und Fraufrau“ oder „Amanda und der Mann da“ begleitet.
„Mein Berufswunsch war immer Balletttänzer“, bekennt er. Aber was will man machen als „sensibler Poet, gefangen im Körper eines stark behaarten Lkw-Fahrers“? Heißt man(n) dann auch noch Heinz, sind die Aussichten trübe - ob im Berufsleben oder bei den Frauen, besonders wenn sie Sozialpädagoginnen sind und in der ersten gemeinsamen Nacht darüber diskutieren wollen, wie man die gemeinsamen Kinder nennen solle, „falls was schiefgeht“.
Heinz Gröning, mit Künstlernamen „Der unglaubliche Heinz“, ulkt und blödelt rund um die immer aktuellen Themen Mann-Frau-Beziehung, Sex und Geschlechterklischees. Er gibt den unglaubwürdigen, „unglaublichen“ Macho, dem das Scheitern schon mit der Taufe in die Wiege gelegt wurde. Das Rezept hat dabei wohl nicht nur Erfolg, weil der Kölner Komiker von Meister Proper bis Hush Puppie eine breite Palette an mimischer Komik aufzubieten hat, neben der Gitarre auch Stimme und Körper als Instrument von Ausdruck und Darstellung perfekt beherrscht, sondern weil das Klischee immer wieder auf „unglaubliche“, weil unerwartete Weise durchbrochen wird: So etwa rezitiert Heinz in einem „Anfall von Kleistitis“ Passagen aus der „Marquise von O.“, oder er haut dem Publikum hochphilosophische Selbstbetrachtungen in geschliffenem Hochschuljargon um die Ohren, die die Lachmuskeln schon allein damit reizen, dass sie einfach nicht zu diesem kurz geratenen Mittelgewichtsboxer mit dem Aussehen eines „weißrussischen Sozialhilfe-Pornodarstellers“ passen wollen.
Intelligenter Witz, Musikalität, virtuoses Minenspiel, spaßige Sprachspiele, endlose Stabreime und jede Menge Selbstironie - der Mann lacht selbst über sich und seine Figur, und verliert darüber sogar kurzzeitig den roten Faden. Doch das Rezept hat Zukunft. Gröning ist beim WDR gut im Geschäft und für den Comedy Preis 2007 nominiert, der am 26. Oktober in Köln vergeben wird. „Die Welt, wie ich sie kenne, ist ein bisschen plemplem, balla-balla, gaga-dada, meschugge“, singt er mit schönstem Blues-Timbre zur Gitarre - und alle im Saal stimmen ein, genau wie bei „Wir sind alle Opfer geschlechtsspezifischer Erziehung im Rahmen unserer frühkindlichen Prägung“, auch wenn der komplizierte Refrain einiger Übung bedarf. Grönings Botschaft ist eindeutig wie eingängig: Auch wenn ihr nicht studiert habt und all das intellektuelle Gefasel nicht versteht, seid ihr kaum weniger gut oder arm dran als die anderen. Und die Probleme sind überall die gleichen, gerade im Zuge der Globalisierung. Heinz: „Ich weiß aus sicherer Quelle, dass eine Welle an Polenwitzen auf uns zukommt - made in China.“
VON CHRISTIANE NITSCHE, W.N. 07. Oktober 2007